Hier seht Ihr bald Bilder unsere MZ Motorräder.

 

MZ-Motorräder: abgewickelt, aber unvergessen

"Sportlich. Dynamisch. Leidenschaftlich", so bewerben die MZ Motorradwerke Zschopau das Modell 1000S auf ihrer Internetseite. Dem Unternehmen selbst dagegen geht jetzt nach langem Überlebenskampf die Puste aus. Ein langsames Sterben, das schon kurz nach der Wiedervereinigung begann.

Die MZ-Motorräder vereinten Kult, Design und technischen Fortschritt - jetzt ist das Zschopauer Werk verwaist. Nur wenige Mitarbeiter sind noch mit dem Verkauf von Ersatzteilen beschäftigt. Den Großteil der Angestellten hatte der malaiische Besitzer, der Konzern Hong Leong, schon Ende vergangenen Jahres entlassen.

Nach Angaben des Firmenchefs Steve Yap hat das Unternehmen 70 Millionen Euro Verlust eingefahren. Dabei war die MZ einst das produktivste Motorradwerk der Welt, die DDR-Mannschaft gewann auf den "Emmen" genannten Motorrädern sieben Mal die Internationale Sechstagefahrt. Findet sich nicht im letzten Moment ein Investor, bedeutet das das Ende für die Kult-Motorräder. Fünf Millionen Euro würden zur Rettung reichen.

Der Weg zum Kult-Fahrzeug

Als 1922 in einer ehemaligen Zschopauer Tuchfabrik die Produktion von Motorrädern begann, war das die Geburtsstunde der Traditionsmarke MZ. Schon 1929 war das junge Unternehmen mit über 60.000 produzierten Motorrädern die größte Motorradfabrik der Welt.

Das moderne Werk erlitt nach dem Zweiten Weltkrieg einen herben Rückschlag: Die Sowjetunion liess es in den Jahren 1946 und 47 komplett demontieren. Erst 1950 begann die Produktion wieder, mit dem Vorkriegs-Modell RT 125. Die ersten Modelle entstanden noch unter schwierigen Bedingungen, vor allem da das Material knapp war.

Ab 1956 trugen die entwickelten Modelle das "MZ" im Namen. Die ab Mitte der Sechziger produzierte ES 125/150 ist das meist gebaute deutsche Motorrad. Als erste Maschine mit asymmetrischem Abblendlicht stand sie für die Fortschrittlichkeit und Qualität der MZ.

1963 gewann das DDR-Team zum ersten Mal die Internationale Sechstagefahrt, sechs weitere Siege folgten. Auch bei Nicht-Sportlern waren die Motorräder beliebt - sie waren robust und trotzdem modern, einfach, aber chic.

Dank der Modellkontinuität waren die Einzelteile leicht austauschbar, was die "Emme" zum Volks-Motorrad machte. Das Werk im Erzgebirge beschäftigte rund 3.000 Mitarbeiter.

Ein Motorrad der Marke "MZ 1000 S"
Eine MZ 1000 S

Die MZ nach der Wiedervereinigung

Kurz nach der Wende privatisierte die Treuhand den ehemaligen VEB Motorradwerk Zschopau. Sechs Jahre später meldete das Unternehmen Konkurs an - zu viele Käufer in der ehemaligen DDR und in Osteuropa kauften nun auch Motorräder anderer Marken. 700 Mitarbeiter standen damals vor dem Aus.

1996 übernahm die malaiische Firma Hong Leong das MZ-Werk. Dort arbeiteten zu der Zeit noch um die 200 Mitarbeiter. Um das Image als "Ostmarke" loszuwerden, produzierten sie jetzt schnellere, moderne Maschinen. Die MZ-Motorräder gewannen Design-Preise und hatten Erfolg im Rennsport. Trotzdem und obwohl es Staatshilfen bekam, steckte das MZ-Werk stets in den roten Zahlen. 2006 schloss die Entwicklungsabteilung und die Qualitätskontrolle, aber auch diese Einspar-Maßnahmen konnten das Unternehmen nicht retten. Mitte 2008 gab Hong Leong bekannt, dass das Werk zum Jahresende geschlossen wird. Bis jetzt gibt es keinen neuen Investor.

Dennoch blüht das Geschäft mit den gebrauchten Kult-Motorrädern: Auf der Internet-Auktionsseite Ebay finden sich mehr als 80 Angebote für MZ-Motorräder, es gibt unzählige Internetseiten und Foren für die Fans der Marke.